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Wenn die Haut nicht mehr kann

6. Okt.
3 Min. Lesezeit

Manchmal kommt eine Kundin zu mir in die Praxis und schon beim ersten Gespräch wird deutlich: Hier geht es nicht nur um Haut.

Vor einiger Zeit kam auf Empfehlung eine Dame zu mir. Ihre Haut zeigte eine periorale Dermatitis, war gleichzeitig sehr trocken und wies Pigmentveränderungen auf. Sie befand sich in den Wechseljahren – und ihr Leben war vor allem eines: voll.

Ein sehr anspruchsvoller Beruf, der gefühlt 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche ihre Aufmerksamkeit verlangte. Privat ebenfalls eine turbulente Zeit. Wenig Ruhe, viel Verantwortung und ein permanentes Funktionieren.

Und natürlich kam sie mit einem Wunsch zu mir, den ich sehr gut verstehen kann:


„Ich möchte, dass meine Haut schnell wieder schön wird.“




Wer möchte das nicht?


Doch genau hier beginnt für mich eine ehrliche und verantwortungsvolle Hautberatung.


Wenn „mehr“ irgendwann zu viel wird


Auf der Suche nach schnellen Lösungen hatte meine Kundin bereits vieles ausprobiert. Hier ein neues Produkt, dort ein neuer Wirkstoff, die nächste Empfehlung und wieder die Hoffnung: Vielleicht ist es diesmal genau das Richtige.

Aber Haut braucht nicht automatisch mehr, wenn sie Probleme macht.

Manchmal braucht sie genau das Gegenteil.


Weniger. Ruhe. Konsequenz. Und Zeit.


Deshalb war mein erstes Ziel nicht, möglichst viele Produkte einzusetzen. Wir entwickelten ein auf ihre Haut abgestimmtes Konzept und gaben der Haut die Möglichkeit, sich Schritt für Schritt zu stabilisieren.

Und ich habe ihr von Anfang an gesagt: Das wird kein Sprint.


Ein Jahr – und ganz viel Konsequenz


Fast ein Jahr lang kam sie regelmäßig zu ihren Behandlungen.

Und ich gebe zu: Ich war hartnäckig.

Nicht, weil ich ihr Leben oder ihren Alltag beurteilen wollte. Sondern weil ich das Potenzial ihrer Haut gesehen habe.

Natürlich war es für sie mit ihrem Beruf nicht immer einfach, Termine einzuhalten. Deshalb habe ich versucht, ihr bei der Terminplanung so weit wie möglich entgegenzukommen. Gleichzeitig wollte ich aber nicht, dass ihre Haut immer wieder ganz hinten auf der Prioritätenliste landet.

Denn wenn unser gesamtes Leben dauerhaft auf Hochtouren läuft – wann geben wir unserem Körper eigentlich die Gelegenheit, herunterzufahren?

Genau das wurde irgendwann zu einem wichtigen Teil unserer gemeinsamen Arbeit.

Der Behandlungstermin war nicht mehr nur ein Termin „für die Haut“.

Er wurde zu einem festen Moment für sie selbst.


Hautpflege kann auch Struktur bedeuten


Wir können Stress nicht einfach wegcremen. Und eine Gesichtsbehandlung löst weder berufliche Belastungen noch private Probleme.

Aber wir können kleine Inseln schaffen.

Eine ruhige Behandlung. Berührung. Für eine gewisse Zeit nichts organisieren müssen. Nicht erreichbar sein. Nicht funktionieren müssen.

Entspannende Berührung und Massage können mit körperlichen Entspannungsreaktionen einhergehen. Genau deshalb empfinde ich eine gute Gesichtsbehandlung nicht nur als Arbeit an der Hautoberfläche. Sie kann gleichzeitig ein bewusstes Ritual sein, in dem der Mensch zur Ruhe kommen darf.

Und manchmal beginnt Veränderung tatsächlich mit solchen kleinen, regelmäßig wiederkehrenden Momenten.


Was ich aus diesem Fall wieder mitgenommen habe


Nach vielen Jahren in meinem Beruf bestätigt sich für mich immer wieder:

Haut braucht nicht immer noch ein Produkt. Manchmal braucht sie einen Plan.


Wir müssen hinschauen: Was braucht diese Haut wirklich? Was ist momentan vielleicht zu viel? Welche Rolle spielen hormonelle Veränderungen, Alltag und Belastung? Und welches Behandlungskonzept lässt sich überhaupt realistisch in das Leben dieses Menschen integrieren?

Denn die beste Empfehlung nützt wenig, wenn sie im Alltag nicht durchzuhalten ist.

Bei dieser Kundin waren deshalb nicht möglichst schnelle Ergebnisse unser größter Erfolg.

Es waren die Konsequenz, das Vertrauen und die Bereitschaft, der Haut Zeit zu geben.

Und genau deshalb erzähle ich diese Geschichte.

Vielleicht erkennt sich die eine oder andere darin wieder: Man probiert immer mehr, weil man endlich eine Lösung möchte. Man funktioniert, kümmert sich um alles und jeden – und die eigene Haut soll bitte nebenbei auch noch funktionieren.

Manchmal ist der erste sinnvolle Schritt jedoch nicht, noch etwas Neues hinzuzufügen.


Sondern weniger zu machen, genauer hinzusehen und der Haut wieder Zeit zu geben.



 
 
 

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